Achtsam eilen

Kolumne Achtsamkeit im Alltag von Heike Wagner

Achtsam eilen

Seit vielen Jahren ist mir das nicht mehr passiert:
Morgens aufwachen und feststellen … Verschlafen!
Kopfkino: Wie würde ich den Schnellstart in den Tagesplan noch schaffen? … unmöglich!

Dann Erinnerungsfetzen an ähnliche „Katastrophen“, wenn alles nur noch schief geht:
Aus dem Bett springen, den Zeh mit voller Wucht am Türrahmen stoßen,
den Cremetiegel fallen lassen und lieber nicht nachschauen, ob er ganz geblieben ist.
Mit gedankenvollem Kopf Orangensaft statt Milch aufs Müsli gießen,
fluchen und dann doch ein paar gehetzte Löffel essen.
Etwas Passendes zum Anziehen findet sich natürlich auch nicht.
Und in diesem Moment spüren, dass es heute anders sein wird:
Ich bleibe für ein paar benommene Momente auf der Bettkante sitzen und finde mich in die Lage. Durchatmen und die Aufwallung sich etwas setzen lassen.
Dann überlegen, was zu tun ist.
Klären woran es gelegen hat, kann ich jetzt nicht, wozu sollte das auch gut sein?
Am besten, ich nutze die knappe Zeit für hilfreiche Dinge, um wieder klar zu sehen.
Ich entscheide mich für Duschen und Frühstücken.
Zufällig ist ein Probepäckchen löslicher Kaffee im Haus. Nur aufgießen, das würde gehen. Und das reell mit Milch aufgefüllte Müsli würde freundlicher hinunterrutschen.
Hinsetzen dabei!
Weiter in Kontakt mit meiner abflauenden Panik, werde ich zusehends ruhiger.
Ich staune, dass all das bisher entschieden weniger Zeit braucht als erwartet.
Die Tasche ist bereits gepackt, soviel Vorausschau habe ich gelernt. Und der Pullover von
gestern, der geht auch heute noch mal.
Treppe runter, raus vor die Tür … „Wenn du es eilig hast, geh’ langsam“, sage ich mit
einer chinesischen Spruchweisheit schmunzelnd zu mir selbst. Das innere Lächeln tut gut!
Die Bahn ist gerade weg. Das kostet Zeit, aber es ist jetzt so. Ja, die Dinge dauern …
Aber, sie dauern, so lange sie dauern an diesem Morgen.
Fühle mich zunehmend mitten drin und frisch.
Statt mich über Enge und Dauertelefonierer aufzuregen, sinke ich entspannt in einen letzten freien Sitz, ergebe mich geschmeidig dem morgendlichen Verkehrsfluss, komme sicher an. Ganze zehn Minuten zu spät … und noch früh genug zum Beginn der Fortbildung.
Eine prima Geschichte aus dem Alltag habe ich gleich mit im Gepäck.